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2. Teil von unseren Erlebnissen auf Teneriffa(ria)

Ich habe unsere Erlebnisse auf Teneriffa in eine Geschichte gepackt und etwas ausgeschmückt.

Wie ihr bereits vom vorherigen Video wisst; Unser Abenteuer begann bei einem Einsiedler und in diesem Teil ging es folgender Maßen weiter; Wir hatten eine abenteuerliche Nacht, haben uns in einem Hostel neu orientiert, dann fanden wir ein zu Hause und haben die Gegend erkundet, Karneval gefeiert, einen Sturm miterlebt und wissen jetzt was Calima ist.

Viel Spaß beim Anschauen und lasst mich wissen: Was ist die Moral von dieser Geschichte für euch??

*ein Tropfen perlt mir die Stirn herunter

Puuhhh……… erst mal durchatmen

und………..

Fortsetzung folgt…. 😉

Hundehüter-Gedicht

Unser letztes Housesitting-Erlebnis vor unser Abreise nach Teneriffa habe ich gedichtet, um etwas mehr visuell experimentieren zu können und auch Musik im Hintergrund zu verwenden. War sehr aufwendig und hat eine Menge Spaß gemacht – euch hoffentlich auch beim Ansehen. 😉

Es waren ein Mal vor nicht all zu langer Zeit Renato und Nadin
sie wagten den Schritt in ein neues Leben und wusten zunächst nicht genau wohin.

Es war nur klar, sie wollten flexiberler werden und neue Abenteuer erleben,
aber es war noch viel zu tun und eine Prüfung galt es erfolgreich abzulegen.

Ihre Kutsche und verwunschene Hütte dienten nun als Basis,
aber weil es dort in der kalten Jahreszeit nicht so gemütlich ist,

wurden sie Hundehüter und suchten nach einem neuen Auftrag,
der in der Nähe ihrer Hütte lag.

Bald fand sich eine Option
und sie verabredeten sich zum Video-Telefon.

Die Hausherrin wirkte nett, aber das Paar hatte noch einige Bedenken,
detaillierte Anweisungen und ein voller Zeitplan, würde sie das zu sehr einschränken?

Die zwei Hunde hatten auch schon ein sehr hohes Alter erreicht,
was wenn sich deshalb das ein oder andere Problem anschleicht?

Sie entschieden sich der Herausforderung eine Chance zu geben,
schließlich hatten sie schon einiges gemeistert im Leben.

Sie machten sich auf den Weg und stiegen in ihre Kutsche,
als die ankamen, ihnen schon der 12-jährige Raimond entgegen huschte.

Die 16-jährige Evangeline lag gemütlich in ihrer Ecke
und war kaum zu sehen unter ihrer Decke.

Dieser tolle Auftakt wurde dann noch mit einem leckeren Essen gekrönt,
aber am nächsten Tag, die Evangeline hat ganz beängstigen getönt.

Wir haben sie gestreichelt und alles mögliche probiert
und nach einer Weile, der Atem hat sich wieder normalisiert.

Was für ein Glück, der Schock war überstanden.
Wir erfuhren, durch zu viel Aufregung oder Bewegung ist das entstanden.

Es gibt einiges zu beachten, im Leben der Senior-Hunde.
Wir gingen nun also mehrmals täglich jeweils einzeln mit ihnen eine Runde.

Natürlich entsprechend des Wetters im angemessenen Gewand,
Raymond ist draußen gern ganz aufgeweckt herumgerannt.

Evangeline trugen wir teilweise auf Händen,
denn das forderten ihre operierten Lenden.

Doch auch sie war eine aufgeweckte Dame
und man konnte sehen, sie wollte schnell wieder ins Warme.

Wieder drinnen angekommen, wartete er stets erhobenen Hauptes auf sein Essen,
während ihre aufgeregten Geräusche zeigten, sie kann es nicht erwarten, endlich zu fressen.

Wir lernten für die Beiden frisch zu kochen,
tja so vergingen sie schnell, die paar Wochen.

Nun neigt sich die Geschichte dem Ende von Renato und Nadin,
sie genossen die Zeit mit Raymond und Evangeline.

Sie legten den Grundstein für eine tolle Freundschaft
und auch alle letzten Erledigungen und Vorbereitungen wurden geschafft.

Nun stand sie bevor, die nächste Abenteuer-Reise
und die Zwei machten sich auf den Weg – ganz still und leise.

Aber das ist eine andere Geschichte,
dich ich dann allerdings nicht noch mal erdichte.


Und die Moral von der Geschicht;
ohne zu wissen, urteile nicht.
Denn das Feuer an sich, ist weder gut noch böse.
Brennt es uns, ist es groß das Getöse.
Wärmt es uns allerdings, freuen wir uns an ihm.
So ist es in der Welt, schaut mal genauer hin.

Hunde-Abenteuer

Ich habe keine Lust mehr aufs Schreiben…

Ihr könnt euch jetzt gemütlich zurück lehnen und einfach berieseln lassen.

Ich experiementiere mal mit dem Videoschnitt und freue mich über euer Feedback, Anregungen und Verbesserungsvorschlägen. Mal sehen, wie lange mir das Spaß macht. Dieses erste Video hat mir auf alle Fälle Freude bereitet und ich hoffe, euch auch.

Da hier in Spanien ja Quarantäne ist, könnt ihr nächste Woche sicher schon das nächste Video erwarten.

Und jetzt; Fiiiiiiiiiiiiiiiiiilm ab………..

Kroatien im Frühling 2017

Auch wenn es nun gefühlt eeeeeeeeeewig her ist, möchte ich gern nen Beitrag über Kroatien veröffentlichen.

Wir haben diese Geschichte schon mehrmals erzählt, aber wer sie noch nicht kennt;

Renato wurde nicht in England rein gelassen; 

Es ist so, dass sich Renato als Nicht-Europäer 90 Tage innerhalb 180 Tagen im Schengen-Raum aufhalten kann. Da wir noch nicht wussten, ob wir länger in Deutschland bleiben werden, hatten wir uns nicht um ein Visum gekümmert und der ursprüngliche Plan war, dass Renato für die 90 Tage nach England geht, bis er wieder einreisen kann. Wir hatten dort bereits Zusagen für Housesitting… (dies machen vorwiegend Leute, die ein Tier haben: während ihres Urlaubs hätten wir ihr Haus und ihre Hunde gehütet). Leider ging es am Flughaffen für Renato nicht weiter und er wurde nach stundenlangen Befragungen bis zum nächsten Morgen in einem Zimmer eingeschlossen und dann zu seinem Rückflug nach Deutschland begleitet. Wir hatten noch Glück im Unglück, da er noch 1,5 Tage von den 90 übrig hatte. Wir mussten also schnell reagieren und haben auf der Landkarte geschaut, welches Nicht-Schengen-Land mehr oder weniger das nächste ist und haben uns für Kroatien entschieden.

Die Fahrt

Gegen Abend sind wir dann los gefahren. Es war eine schreckliche Fahrt, da seltsamer Weise beide Lichter kaputt waren und wir somit die ganze Zeit mit Fernlicht gefahren sind. (Mittlerweile weiß ich, dass man solche Glühbirnen auch in einer Tankstelle finden kann…) In Österreich machten wir dann eine Pause, um ein wenig im Auto zu schlafen. Das war doch schon sehr frisch so Ende Januar… Unglücklicher Weise hatte ich vergessen, das Licht auszuschalten, sodas am nächsten Morgen der Motor nicht mehr anspringen wollte. Zum Glück haben wir jemanden gefunden, der uns Starthilfe geben konnte, sodas wir unsere Fahrt fortsetzen konnten. Die Einreise verlief problemlos und unser Ziel war Zagreb. Hier verbrachten wir nun ein paar Tage. Natürlich sind wir wieder viel durch die Stadt gelaufen und wir wanderten ein wenig in den nahe gelegenen Bergen. 

Nun verbrachten wir also eine Weile getrennt voneinander und Renato konnte seine eigenen Reiseerfahrungen sammeln, während ich in Deutschland meinem Job nachging.

Schließlich fuhr ich im April zu ihm in den Süden nach Split. Er hatte sich um ein Zimmer über airbnb gekümmert und hat es als kleine Überraschung mit Herzchen dekoriert. Split ist ein hübsches touristisches Plätzen am Meer, wobei zu dieser Jahreszeit nur sehr wenige Touristen zu sehen waren. Bevor wir Richtung Norden fuhren, wollten wir noch einen Abstecher über Mostar in Bosnien Herzegowina machen. Die Fahrt dort hin war ein Traum und wir haben die Landschaft sehr genossen.

In Mostar und in dem Land allgemein waren noch sehr viele Schäden vom letzten Krieg zu sehen.

Es wurde wieder atemberaubend schön als, wir nördlicher wieder in Kroatien einreisten und uns den Plitvice Nationalpark anschauten. Unser nächstes Ziel war Zadar und von dort ging es dann entlang des Meeres Richtung Norden. Hier machten wir noch mal in einer recht abgelegenen Airbnb Wohnung Pause, von wo wir eine traumhafte Aussicht genießen konnten und auch die Fahrt dort hin, knauserte nicht mit seinen Naturschönheiten.

Wir hatten zwischendrin auch ein paar Nächte im Auto verbracht und besorgten uns Isomatten und eine Matratze. Mit diesem provisorischem Bett und mit der ausgeliehenen Kühltasche, waren wir dann gut ausgerüstet.

Auf der großen Strecke nach Deutschland, besuchten wir noch eine Familie in Slowenien. Wieder war Renato bei den Kindern sehr beliebt. 😀

Ab da hatten wir die Fahrt bei blabacar angeboten und hatten ein paar nette Mitfahrerinnen.

Spanien & Portugal Nov./Dez. 2016

Wir entschieden uns schließlich, zunächst in Europa bzw. Deutschland zu sein. Anfang November flog Renato nach Madrid, wo wir uns dann wieder getroffen haben.

Ich bin nach Valencia geflogen und konnte die Stadt in einem halben Tag erkunden, bevor ich mit einer Mitfahrgelegenheit nach Madrid gefahren bin. Dort angekommen, habe ich mich mit Inma wieder getroffen. Wir hatten uns vor mehreren Jahren kennen gelernt, als ich in der Nähe von Madrid einen kurzen Au Pair Einsatz hatte. Zur gleichen Zeit war auch ein weiterer Freund von ihr in der Stadt. Wir konnten eine tolle Nacht-Stadtführung von Inma genießen. Es war etwas überraschend, an wie wenig ich mich noch erinnern konnte…

Am nächsten Morgen habe ich Renato vom Flughafen abgeholt. Er hatte ein Hostel gebucht, leider nur für das falsche Datum… Grund war ein Denkfehler; Er ist zwar am 3. November abgeflogen, aber am 4. gelandet. Da das Zimmer nun schon mal für die Nacht davor bezahlt war, nutzten wir es noch bis zum Zeitpunkt des Check-outs zum Frisch machen und haben auch im Hostel gefrühstückt. Da dieses Hostel die folgende Nacht schon ausgebucht war, nutzten wir noch das Internet, um eine Bleibe für die folgende Nacht zu suchen. Wir haben etwas recht Günstiges bei airbnb gefunden. Es nannte sich Hostel, aber war irgendwie recht seltsam “eingerichtet”. Es standen darin wuchtige Schränke, die noch mit Büchern und Dokumenten gefüllt waren und die Doppelstockbetten wurden einfach davor gestellt. Wahrscheinlich trug dieser Ort auch ein wenig dazu bei, dass Renato zunächst erst Mal wieder einen Kulturschock hatte.

Wir schlossen uns einer Stadtführung an, die jemand von couchsurfing angeboten hat, um Kontakte in verschiedenen Ländern zu knüpfen. Mit Inma trafen wir uns noch mal zu einem Café und später mit einer interessanten Dame, die ich bei couchsurfing gefunden habe. Sie reiste bereits mit low-Budget und wir erfuhren etwas mehr darüber. Mit ihr und ihren Freunden waren wir in einer Art Kulturzentrum, wo diverse Musiker zu gange waren. Es war eine sehr alternative Einrichtung, die offensichtlich recht beliebt war. Denn als wir gehen wollten, war der Ein- bzw. Ausgang blockiert. Es wurde keiner mehr reingelassen und wir kamen somit für eine Weile auch nicht hinaus. Wir wurden dann bei einem Hinterausgang raus gelassen.

Wir hatten bereits eine Farm im Süden von Spanien gefunden, wo wir workaway machen können und da wir dort mindestens drei Wochen einplanen sollten, entschieden wir uns bei der Anreise in einigen Örtchen Halt zu machen, um diese kurz zu besichtigen. Größtenteils reisten wir mit Mitfahrgelegenheiten und immer fanden wir ein Zimmer über airbnb.

Unser erstes Ziel war Toledo. In den paar Stunden, die wir vor Ort hatten, konnten wir einen guten Überblick bekommen. Wir erhielten in unserer Unterkunft viele Informationen und auch Tipps. So erfuhren wir von einem Ort mit einer schönen Aussicht und welche Viertel besonders schön sind. Wir lauschten einem Musiker und unterwegs unterhielten wir uns mit einem älteren Herrn, der sehr viel über Toledo wusste und uns auch ganz stolz berichtete, dass dies in der Vergangenheit mal die Hauptstadt von Spanien war.

Gegen späten Nachmittag ging es mit einer Mitfahrgelegenheit weiter nach Cordoba. Hier bin ich dieses Mal in eine “Falle” getappt. Leider hatte ich ein Zimmer in Cordoba in Argentinien gebucht… Wir fanden zum Glück auch noch kurzfristig ein Zimmer, was direkt im Zentrum war. So gingen wir hier am Abend der Ankunft spazieren und am nächsten Tag erkundeten wir die Stadt weiter zu Fuß.

Am gleichen Tag ging es noch weiter nach Malaga, wo wir unseren bisher seltsamsten Gastgeber antrafen. Ein recht großer Mann mit russischen Akzent, der Künster ist. Seine Art war vermutlich nett gemeint, aber schüchterte doch eher ein. Wahrscheinlich machte er mit seinen bisherigen Gästen die Erfahrung, dass es nötig ist, alles ins Detail zu erklären. Er zeigte, wie man den Gasherd nutzt und bestand darauf, dass ich ihn vor seinen Augen anzünde. Er wollte auch sehen, dass ich in der Lage bin, die Tür aufzuschließen, nachdem er dies vorführte. Er betonte mehrmals, wie nett und großzügig er doch zu seinen airbnb-Gästen ist und vergewisserte sich mehrmals, ob wir zufrieden sind. Wobei seine Art und Weise nichts anderes als ein Ja zu lies. Eine Unterhaltung mit ihm war definitiv sehr unangenehm.

Wir folgten seiner Empfehlung und nutzten den restlichen Abend, um einen Hügel zu besteigen. Wie vorher auch, hatten wir den nächsten halben Tag, um durch die Stadt zu laufen.

Wir verliesen Malaga mit dem Bus und nun ging unser Workaway auf der Farm los. Mercé holte uns ab und brachte uns zur Farm. Erst jetzt wurde uns so richtig klar, dass wir die nächsten drei Wochen völlig abgeschieden verbringen werden. Das nächste Minidörfchen ist etwa 45 Minuten zu Fuß und der nächste Ort MIT kleinen Lebensmittellädchen vielleicht 1,5 oder 2 h – zumindest wenn man den Weg kennt… Wir sind einmal dorthin aufgebrochen und offensichtlich haben wir nicht den direkten Weg gefunden. Netter Weise wurden wir ein paar Mal von Mercé und ihrem Mann Alonsi mitgenommen, um andere nahegelegene Dörfchen zu erkunden. Meist nuzten wir diese Zeit, um einen wifi-Hotspot auszunutzen, da wir in der Farm kein Internet hatten.

Die Farm von Alonsi und seiner Frau Mercé bestand aus einem großen abschüssigen Grundstück mit einem Haus. Wir haben in einem Wohnwagen geschlafen. Im November ist das Klima hier im Süden Spaniens im Vergleich zu Deutschland sehr mild, trotzdem waren manche Nächte etwas frisch. An dem Haus waren Duschen und eine separate Küche mit Kamin, die wir für uns hatten. Da schon eine Weile vorher keiner mehr für die Unterstützung eingesetzt worden war, haben wir unsere Bereiche zunächst gereinigt, wofür wir auch mehrfach gelobt worden sind und es auch in der Referenz erwähnt wurde. Die tägliche Aussicht war ein Traum, Nachts konnte man die Sterne wunderbar betrachten und Sonnenauf- und –untergänge verursachten auch gerne mal ein Farbschauspiel.

Alonsi und sein Bruder erledigten die Farmarbeit und waren somit für die Zeit dort unsere Hauptansprechpartner, wobei sich seine Frau um das Organisatorische gekümmert hat und uns auch sporadisch nach einer Einkaufsliste gebeten hat. In diesen Wochen ernährten wir uns unglaublich gesund, da wir täglich von dem Gemüse aßen, was auf der Farm wächst und auch das zusätzliche Essen immer Bio und genfrei war.

Zu unseren Aufgaben in dieser Farm, die sich um die Erhaltung von historischen Samen kümmert, war natürlich die Gewinnung von Samen und diese für den Verkauf vorzubereiten. Hauptsächlich beschäftigte ich mich mit Tomaten, wovon es dort über 40 verschiedene Sorten gibt. Sie sind sehr darauf bedacht, im Einklang mit der Natur zu leben, sodass sie natürlich ihren Kompost haben, Abfälle wie Eierschalen weiterverwenden, ihr eigenes Anti-Insekten-Spray natürlich herstellen usw.. Wir halfen auch dabei eine Art Dünger aus Kuhmist herzustellen.

Während unserer letzten Tage in der Farm kam eine Kolumbianerin an. Sie beschloss dann allerdings mit uns wieder abzureisen, da es ihr dort sonst zu einsam gewesen wäre. Tatsächlich sahen wir Alonsi und seinen Bruder meist nur bei der Arbeit und Mercé nur, wenn es etwas zu klären gab. Wir genossen die Abgeschiedenheit in dieser malerischen Farm. Wenn man sich darauf einlässt, ist es unheimlich schön, ohne TV und Internet zu sein. Allerdings war es auf der anderen Seite auch etwas schwer, von jemanden abhängig zu sein, um mal weg zu kommen und an Essen zu gelangen vor allem, weil wir nicht wussten, wann wieder eingekauft wird.

Nach der Zeit in der Farm ging es nach Granada. Renatos Urgroßmutter kam von dort, sodass ihn dieser Ort interessiert hat. Neben der Erkundung der Stadt, besichtigen wir auch die Alhambra.

Die nächste Station war Sevilla. Hier hatten wir mit dem Wetter nicht so viel Glück, aber konnten trotzdem einen guten Überblick über die Stadt gewinnen. Eines der Highlights war wohl der Foodmarket, den wir zufällig entdeckt haben und wo wir uns ein wenig durchprobieren konnten.

Weiter ging es dann nach Salamanca, wo wir Renato mit vernünftigen wasserdichten Schuhen ausgestattet haben. Er hatte noch nie Schuhe getragen, die über die Knöchel gehen. Man hat ihm schon sehr angesehen, wie seltsam dieses Gefühl für ihn war. Hier machten wir eine sehr seltsame Entdeckung und so richtig habe ich noch nicht verstanden, warum dort so bunte Tauben herumfliegen.

Dies war die letzte Stadt in Spanien und der Einfluss von der arabischen Kultur war schon recht offensichtlich.

Nach Porto ging es zum letzten Mal mit einer Mitfahrgelegenheit, da blablacar in Portugal anscheinend noch nicht so stark genutzt wird. In dieser Stadt fanden wir jemanden über couchsurfing. Total verrückt, da es fast wie in einem Hostel war. In seiner Wohnung gab es kaum Möbel, aber dafür ziemlich viele Matratzen. Er erzählte mir, dass er während seiner Reise viele herzliche Leute getroffen hatte, die ihn häufiger aufgenommen haben und dass er auf diese Art gern etwas zurückgeben möchte. Er berichtete uns davon, dass er am Abend zu einer Veranstaltung geht, wo gemeinsam traditionelle Tänze getanzt werden. Es war ein riesen Spaß! Die Stadt hatte mich an dem Abend mit seinen Lichtern besonders verzaubert und ich habe es für mich zur schönsten Stadt bei Nacht ernannt. Porto ist durch einen Fluß getrennt und unser Host wohnte auf der Seite, die sich Gaia nennt. Hier wanderten wir Richtung Meer und erkundeten ein Naturschutzgebiet.

Wir bekamen auch eine weitere Zusage über couchsurfing und verbrachten die nächsten zwei Nächte bei Alex. Sie ist eine sehr beeindruckende und inspirierende Frau. Sich mit ihr zu unterhalten war eine unglaubliche Freude und danach sprühte ich vor positiver Energie.

Danach fuhren wir südlich Richtung Fundão, wo wir abgeholt worden sind, um eine Woche in einer Farm zu helfen. Das Häuschen, in dem die workawayer untergebracht werden, wurde erst neu renoviert und war sehr modern eingerichtet. Mittlerweile war schon Dezember und trotz milder Temperaturen war es etwas kühl. Wir konnten die Wohnküche mit einem  Kamin beheizen und in den Zimmern hat die beheizte Matratze für Gemütlichkeit gesorgt. Neben uns war noch eine Mexikanerin mit ihrem erwachsenen Bruder und ihrer Tochter vor Ort. Die etwa 9-jährige Maus musste natürlich nicht auf der Farm helfen, aber sie machte ihre Schule im Eigenstudium / häuslichen Unterricht.

Zu unseren Aufgaben gehörten hauptsächlich, das Grundstück von den Mimosepflanzen zu befreien und diese zu verbrennen. Auch haben wir ein paar Bäume umgesetzt. In dieser Farm musste also auch ich mehr körperliche Tätigkeiten ausführen, wofür bei der anderen Farm eher Renato herhalten musste. Es war mir etwas zu anstrengend, aber auch eine interessante Zeit. Besonders schön fand ich neben der Erkundung des knuffigen Dörfchens, wo die Farm lag, eine Wanderung die wir in den Hügeln gemacht haben. Und toll war es, die Orangen und Mandarinen selber pflücken zu können, statt sie kaufen zu müssen. 😉

Vor unserem Flug nach Deutschland hatten wir noch ein bisschen Zeit in Lissabon. Hier fällt mir folgende Geschichte ein; wir wollten zum Aquarium “Oceanário” und wir hatten beschlossen, dort hin zu laufen, obwohl es 6 km entfernt ist. Dort angekommen, stellten wir fest, dass man laut der Winteröffnungszeiten nun nicht mehr rein kann…. Na ja…. also liefen wir wieder zurück und gingen am nächsten Tag wieder hin. Wir haben wirklich viel Zeit darin verbracht, sodass es gut war, dass wir noch Mal wieder gekommen sind.

Chile Sept./Okt. 2016

Nun bin ich schon wieder etwas mehr als ein Jahr zurück und es war sehr schön, meine alten Notizen zu lesen und den Beginn der gemeinsamen Reise mit Renato noch ein Mal Revue passieren zu lassen. Diese möchte ich jetzt gern mit euch teilen.

Für etwa 2 Wochen empfing uns nun also Josh in seiner WG in Santiago. An diese Couchsurfing-Unterkunft gelangten wir mit Hilfe von einem Freund. Unsere gemeinsame Reise startete somit mit einem recht “luxuriösem” Zimmer mit Doppelbett und einem Bad für uns alleine. Den berühmten zentralen Patz „Plaza de Armas“ erreichte man in wenigen Minuten zu Fuß. So konnte ich Renato schnell und einfach das Zentrum der Stadt zeigen. Wir nutzten die ersten Tage auch, um ihn besser auszurüsten; chilenische SIM und Trekkingequipment (wie zum Beispiel ein schnelltrocknendes Handtuch).

Am besten gefiel Renato an Santiago  „La Vega”, die riesige Markthalle, in der es auch für ihn neue Früchte und unbekanntes Gemüse zu erkunden galt. Im Gegensatz zu mir, konnte er dort viel Zeit verbringen. Mir war das rege Treiben und das Durcheinander zu viel Stress und meist wollte ich schnell wieder mit meinen Einkäufen weg.

Für Renato bedeutete diese Reise sein Land und seinen Familienhaushalt zum ersten Mal zu verlassen und der Kulturschock war ihm anfangs anzumerken.

Wir kamen zu einer recht ereignisreichen Zeit, da am 18. September Nationalfeiertag ist und dieser offensichtlich über mehrere Tage ausgiebig gefeiert wird. So sahen wir beispielsweise auf der Plaza de Armas Leute in traditionellen Gewändern Volkstänze vorführen und waren mit einer Freundin bei einer “Fonda”. Hier handelt es sich um eine Mischung aus Jahrmarkt und Festival; es gab zwar keine Karusells aber mehrere Stände mit Spielen wie “Hau den Lukas”, weiterhin fand man natürlich viele Buden mit Essen und Trinken und auch Bühnen mit Live Musik. Hier trank ich nun zum ersten Mal den unglaublich süßen “Terremoto”, der zu den traditionellen Getränken zählt. Übersetzt heißt das Erdbeben, weil es recht viel Alkohol enthält, den man durch das süße Eis zu spät merkt. Lustiger Weise gibt es dieses Getränk auch in Kleiner und nennt sich dann “Replica” = Nachbeben – also für diejenigen, die nach dem ersten Getränk noch nicht genug hatten. 😀

Der große Abschluss der Feierei macht dann der Tag des Heeres am 19. September. Hier bestaunten wir die beindruckende Militär Parade im Parque O’Higgins.

Nach dem ganzen Trubel begannen wir für Renato sein Working Holiday Visum zu beantragen und ich hatte ein nettes Gespräch mit einer Sprachschule, in der ich Deutschkurse geben kann, sobald Interessenten da sind.

Des Weiteren begannen wir die Suche vor Ort nach einem Hostel, in dem wir Workaway machen könnten. Wir bewarben uns bereits vorher aus Brasilien, allerdings hatte dies keine positiven Ergebnisse gebracht. So klapperten wir nun diverse Hostels ab und erfragten, ob sie dieses Arbeitsmodel unterstützen, dass wir im Tausch gegen Arbeit bei ihnen wohnen können und bestenfalls auch verpflegt werden. Auf diese Weise tat sich ein Hostel auf, die ab Oktober  Hilfe benötigen werden. Einen weiteren Tipp erhielten wir auf einer Party. Nach genauerer Betrachtung hatten wir nun die Wahl zwischen einem Hostel, wo ich an der Rezeption eingesetzt werden würde und Renato bei Reinigungs und Erledigungsarbeiten untestützt hätte. Es war recht modern eingerichtet und sah gut gepflegt aus. Der große Nachteil war, dass es keine Küche gab. Das andere Hostel war bereits auf dem ersten Blick recht chaotisch und die Räume der anderen Workaway-Kollegen sehr undordentlich. Dieses Hostel war mit recht wenigen Zimmern ausgestattet und verdiente sein Geld offensichtlich eher mit seinem Restaurant und der Dachterrasse, die am Abend geöffnet wurde. Wir würden zunächst beide in der “Coperia” eingesetzt werden (Spülen von dem Geschirr, Gläsern und Küchenutensilien) und ich würde später zur Rezeption wechseln.

Beide Hostels waren flexibel, dass ich auch noch einem anderen Job nachkommen konnte. Schließlich entschieden wir uns für das Hostel mit der Küche…  Auch hier war der Start erst zum Ende September möglich, sodass wir noch ein paar Nächte überbrücken mussten und uns netter Weise mein Kumpel Estefano bei sich aufgenommen hat. Der Umzug erfolgte nach einer Jam-Session, zu der uns Rodrigo eingeladen hatte. Nachdem ich zu meinem Geburtstag bereits seinen Klarinette-Tönen lauschen konnte, erlebte ich ihn nun auch beim rappen. Er und seine Freunde waren sehr unterhaltsam.

Am nächsten Tag war Rodrigos Geburtstag und wir fuhren zu ihm. Er wohnt sehr weit weg vom Zentrum; zumindest war die Anfahrt etwas lang und kompliziert. Hier haben wir gemeinsam einen Berg erklommen und gepicknickt. Die Gruppe wuchs langsam und später waren wir noch eine Weile bei ihm zu Hause und durften ihm und seinem Freund beim musizieren lauschen.

Die noch vorhandene uneingeschränkte Zeit vor dem Start im Hostel nutzten wir mit weitere Unternehmungen mit Freunden und wir zeigten meinem damaligen Gastgeber (couchsurfing) Pedro von Iquique die Stadt, der ein paar Tage in Santiago zu Besuch war.

Auch reiste ich mit Renato nach Viña del Mar und Valparaiso. Mein mittlerweile 4. Besuch dieser magischen Touristenorte war wieder eine völlig andere Erfahrung. Wir erkundeten die beiden Örtchen zu Fuß und beobachteten streitlustige Seelöwen, amüsierten uns auf einem Spielplatz und fanden ein Museum mit Gemälden, das man kostenlos besuchen konnte und sahen einen Fischermarkt. Auch Renato staunte über die vielen Grafittis, die es in Valpariso zu sehen gibt. Hier gibt es ein größeres Stück, was ich als Reiseleiterin mit den Touristen gehen würde und ich versuchte mich bereits besser zurecht zu finden. Auch hatte ich meine Aufzeichnunen dabei und erzählte Renato so einiges.

Um den Reiseleiterjob starten zu können fehlten mir nur noch wenige Touren, die ich noch vorher begleiten müsste. So lernte ich nun auch noch die verbleibenden drei Weingüter kennen und lernte viel dazu. Es war auch sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Führungen der einzelnen Weingüter waren. Jedes hatte mich auf seine Weise verzaubert und mit seinen Weinen erfreut. Tatsächlich mochte ich vor meiner Reise keinen Rotwein – entweder ist 30 das Alter, wo sich der Geschmack ändert oder Chiles Weine machen seinem Ruf alle Ehre. 😉

Nun startete also unser erstes Workaway-Erlebnis im Hostel. Wir wurden bereits vorher darauf hingewiesen, dass in dem Zimmer der Damen kein männlicher Übernachtungsgast erwünscht ist. Somit war das Zimmer der Herren überfüllt, da es außer uns auch noch ein weiteres Paar gab. Meine Sachen sollte ich allerdings im Zimmer der Frauen verstauen – in dem anderen Raum war ohnehin kein Platz. Nun konnten wir die Unordnung noch intensiver betrachten und es lag auch ein recht undefinierbarer Geruch in der Luft – vielleicht eine Mischung aus angesammelten Dreck (da hier offensichtlich schon extrem lang nicht mehr gesaugt oder sonstwie saubergemacht worden ist), stinkenden Socken und Schweiß. Trotz fast immer geöffneten Fenster, ließ dieser Gestank an den nächsten Tagen nicht nach. In der ersten Nacht waren wir die ersten, die sich schlafen gelegt hatten und irgendwann spät nachts wurden wir durch das Anschalten des Lichts und lauter Unterhaltungen geweckt. Am nächsten Morgen bekam ich auch noch vom Kollegen Viktor eine dumme Bemerkung, was ich denn im Zimmer der Männer verlohren hätte.

Der Start in dem Hostel war also nicht besonders erfreulich…

2016-10-07 17.50.23Dadurch, dass Renato und ich zunächst als Spülhilfe starteten, hatten wir wenig Zeit zusammen. Da es einen Mangel an Kräften gab, haben wir die zwei Schichten übernommen; Einer von 12 bis 17 Uhr und der Nächste von 20 Uhr bis das Restaurant geschlossen wird – etwa 1 Uhr/ 2 Uhr. Es gab keine Spülmaschine, sodass tatsächlich alles mit der Hand gespült werden musste und bei viel Betrieb gab es Stress, weil sauberes Geschirr oder Besteck fehlte. Die Mitarbeiter in der benachbarten Küche erschienen mir seltsam, was vermutlich an meiner allgemeinen Unzufriedenheit lag. Ich konnte den Wechsel zur Rezeption somit kaum erwarten, der sich leider länger hinzog, als ursprünglich angekündigt.

Wir arbeiteten bei dem Hostel für die Unterkunft und ein Mittagessen täglich. Wir deckten uns also noch mit Lebensmitteln für den restlichen Tag ein. Wir bekamen auch hier recht schnell, das Chaos in der Küche zu spüren. Als ich etwas kochen wollte, fand ich meinen Einkauf nicht mehr in den Schränken – darunter ein 2 kg Sack mit Kartoffeln. Ich erfuhr von den Kollegen, dass die Putzfrau recht radikal ist, was unbeschriftetes Essen im Kühlschrank betrifft und dass sie auch in den Schränken aufräumt. Das Essen tauchte dann zum Glück wieder auf. Das Essen im Kühlschrank hatten wir immer vorbildich beschriftet, auch wenn es bei dem Tütenchaos immer erst wiedergefunden werden musste. Nachdem hier mal etwas fehlte, besorgten wir un seine Dose. Diese war entsprechend gut zu finden und daran machte sich dann auch keiner mehr zu schaffen.

Wir benötigten ein paar Tage bis wir uns an dieses Umfeld gewöhnt hatten. Langsam lernten wir unsere Kollegen kennen und uns mit den Umständen zu arrangieren. Bei den recht individuellen Persönlichkeiten und den Vorkommnissen fühlten wir uns, wie in einer Telenovela. Hier möchte ich euch gern einen Einblick geben.

Zu den Darstellern zählten die festangestellten Damen Loredana und Loreto an der Rezeption.  Loreto kümmert sich auch um die Organisation des Personals und wir hatten auch mit ihr das Vorstellungsgespräch. Diese Beiden hat man somit nur während ihrer Arbeitszeit gesehen.

Der Chef und unser erster Kontakt war Mauricio. Er ist recht mürrisch und seine Autorität lebte er gerne aus. Wenn er in sichtweite war, sollte man besser beschäftigt aussehen und nicht quatschen.

Von der Putzfrau Lucy habt ihr bereits einen Eindruck gewinnen können. Nachdem wir letztlich auch zu ihren Lieblingen zählten, habe ich sie positiv in Erinnerung. Mit den vielen und vor allem ständigen wechselnden Arbeitskräften, ist ihre radikale Herangehensweise wahrscheinlich auch die Effektivste. Sie hat ihre Aufgabe dort sehr ernst genommen und macht somit auch einen guten Job. Mit der Zeit merkten wir, wie erstaunlich gut sie stets informiert war und sie genoss es offensichtlich, zu tratschen.

Santiago & Señora (Frau) Lucy

Santiago & Señora (Frau) Lucy

Zu ihren Schätzen gehörte auch der venezulanische Workawayer namens Santiago, den sie häufer Sohn nannte und für den sie auch häufiger kochte. Santiago hat man gefühlt immer arbeiten sehen. Die politisch instabile Lage in seinem Land war allgemein bekannt und dass er mit wenig Geld in Chile war. Er arbeitete freiwillig zusätzliche Stunden, um sich etwas dazu zu verdienen. Er war in dem Hostel „Mädchen für alles“, also unterstütze er da, wo es gerade nötig war. Wir sahen ihn am meisten beim Putzen oder Bedienen im Restaurant. In seinem Wesen war er recht cool, locker und lustig. Er wollte sein Englisch verbessern, sodas er sich über jeden freute, der Englisch sprechen konnte. Er tat häufiger so, als ob er kein Spanisch versteht, um auf diese lustige Art daran zu erinnern, dass er sein Englisch praktizieren möchte. Er fragte auch jeden, der aus Europa war oder in einem besseren Land wohnte als er, ob man ihn heiraten möchte. Auch ich und Renato bekammen einen Antrag. J Es gab auch mehrere Unterhaltungen darüber, welche Alternativen es gibt, um seinen Traum vom Leben in Europa umzusetzen.

Zwischen ihm und der Inderin Nus gab es eine spezielle Verbindung. Es wirkte wie eine Hassliebe. Sie übernahm meistens die Nachtschicht an der Rezeption und tagsüber gab sie Englischkurse. Ich erlebte sie zunächst immer nur schlafend und war manchmal genervt, dass ich meine Sachen tagsüber immer aus einem dunklen Zimmer heraussuchen musste.

Nach dem Start von einer neuen Kollegin unterhielten wir uns häufiger. Alejandra war nicht sonderlich verständnisvoll, dass die Inderin häufiger den Schlaf nachholen musste, der ihr nach einer Nachtschicht fehlte. Ein Gespräch mit Alejandra dauerte in der Regel eine Weile und in meinem Kopf hatte ich einige Unklarheiten, die ich allerdings in Anbetracht ihres Redeschwalls nie geklärt haben wollte. Nach dem Austausch mit anderen, beruhigte mich die Erkenntnis, dass sie einfach wirr redete und dass es nicht an meinen Spanischkenntnissen lag.

Mit ihrer Ankunft gab es endlich mehr Unterstützung beim Spülen, sodass ich nach einer Einschulung dann an der Rezeption arbeiten konnte. Allerdings war sie nicht wirklich eine Hilfe, da sie unglaublich langsam arbeitete, eine unmenge an Wasser und Schwämme verbrauchte und am Ende ihrer Arbeitszeit noch sehr viel schmutziges Geschirr für die nächste Schicht – also für Renato- übrig blieb.

Es gab da einen Typ, der sie offensichtlich mochte: Der Franzose Preden. Er wurde von allen Pedro genannt, weil niemand seinen Namen aussprechen konnte. Die beiden hatten ein sehr offensichtliches Tächtelmächtel und ließen sich nicht stören, auch wenn jemand anders noch im Zimmer war. Beide waren auf ihre Art seltsam und sorgten zusammen für reichlich Gesprächsstoff. Der Franzose arbeitete als Küchenhilfe im Hostel und versuchte in Santiago als Koch, Geld zu verdienen. Soweit ich es verfolgen konnte, boten sich ihm wohl tatsächlich Möglichkeiten, wobei im Hostel keiner daran glaubte, dass er es schaffen könnte. Lucy war besonders von ihm genervt, da er nach seinen Kochexperimenten nicht ordentlich saubermachte. Nach einem Streit mit Preden alias Pedro verschwand Alejandra schon nach ein paar Tagen unangemeldet aus dem Hostel.

Dann gab es noch das andere Paar Elza und Carlos. Der Kontakt mit ihnen blieb eher oberflächlich. Der Mexikaner Carlos arbeitete abens auf der Terrasse und war allgemein für sein lautes Schnarchen bekannt. Die Brasilianierin Elza wurde an der Rezeption eingesetzt und ich habe sie nur mit einem genervten/ neutralen Gesichtsausdruck in Erinnerung.

Der kurz erwähnte Viktor ist aus Columbien und ein Unruhestifter. Soweit ich es verstanden habe, war er für die Sauberkeit im Restaurant zuständig und musste dafür immer recht früh aufsstehen. Anschließend arbeitete er für Geld in einem Sternehotel. Wenn ich ihn dann mal gesehen habe, konnte ich beobachten, wie er gerne mal Streitereien provuzierte.  Renato und ich waren recht neutral und wir hatten mit niemand in dem Hostel Probleme, sodass uns dieser Griesgrämer wohlgesonnen war.

Dann war da noch Luis, der ebenfalls aus Kolumbien kommt. Ihn würde ich jetzt mal mit einem Kuschelbär vergleichen. Er hatte die Statur dafür und er hatte ein recht zartes Wesen. Wenn wir etwas gekocht haben, hat er mit seinen Kulleraugen gern mal versucht, etwas abzubekommen. Ich weiß gar nicht, was er am Anfang gemacht hatte, aber später wurde er mal zum Spülen eingesetzt und war darin auch seeeeeeehr langsam. Ansonsten war er ab und zu an der Rezeption. Er sang gern mal vor sich hin ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob gerade jemand schläft. Nachts unterhielt er sich auch gern mal stundenlang im Zimmer mit seiner Freundin übers Handy und er machte teilweise seltsame Schnarchgeräusche. Wenn er schlafen wollte und jemand anders laut war, war er hingegen sehr feinfühlig.

Neben Luis und Alejandra, die den Spüljob nicht besonders gut machten, gab es noch Ismael. Er arbeitete eigentlich als Servicekraft auf der Terrasse. Er sah für mich wie der Glöckner von Notre Dam aus und lief irgendwie immer wie ein Zombie herum. Seine schlechte Arbeit in der coperia (beim Spülen) übertraf alle. Viel war nicht sauber, auch bei ihm blieb am Ende einiges für die nächste Schicht übrig und er neigte dazu seine zu letzt gespülten Dinge nicht abzutrocknen, sondern in abenteuerlichen Konstruktionen und Türmen von der Luft trocknen zu lassen.

Nun kennt ihr die Hauptakteure und nun noch ein kleiner Geschmack der Vorkommnisse; Während unseres Aufenthalts wurden ein mal mehr Zimmer/ Betten verkauft, als im Hostel vorhanden waren. Da eine recht große Truppe kam, war dies zu lukrativ, als dass man ihnen hätte stornieren wollen. Mit welchen kreativen Lösungen dies umgesetzt worden war, ist an dieser Stelle im Detail sicher nicht interessant. Aber das Zimmer der Männer wurde mal kurzer Hand als Gästezimmer umfunktioniert. Dieser Umstand sorgte unter den Workawayern für sehr viel Unmut. Letztendliche hatte es aber den positiven Nebeneffekt, dass dieses Zimmer endlich mal gereinigt worden war. Nach der Abreise der Gäste blieb es auch bei einer Geschlechter-Mischung in den Zimmern. So sind wir dann auch die Scharcher losgeworden.

Dann ist mal einer der zwei Kühlschränke ohne Ankündigung verschwunden und irgendwo anders genutzt worden. Die Lagerung von den Lebensmitteln war häufiger mal Grund für Diskussionen und führte bei uns ja auch mehrfach zu kreativen Lösungen. Auch beim Duschen musste man flexibel sein. Es gab 4 Duschen in dem Hostel und nur eine davon, war halbwegs sauber, funktionierte gut und verursachte nur eine geringe Überschwämmung.

Ich erinnere mich an den Anblick einer völlig ekelhaft versauten Toilette mit Scheiße überall. Ich habe keine Ahnung, was da passiert sein könnte… Zumindest nach diesem schockierenden Bild, was sich in meine Erinnerung gebrannt hatte, konnte ich Lucys Unmut sehr gut verstehen.

Es kam häufiger mal vor, dass jemand etwas vermisst hatte und sehr schnell ein Diebstahl dahinter vermutet worden ist, was sich meist recht schnell aufklärte. Nur das Handy von einer der Rezeptionistinnen wurde tatsächlich gestohlen. Ich wurde Zeuge von der neuen Technik, wo man sich auf der Karte anzeigen lassen konnte, wo sich sein Handy befindet. Leider hat das nicht wirklich dazu geführt, dass sie es zurück bekam.

Von Nus erfuhren wir auch recht interessante Sachen, was sich so nachts im Hostel zuträgt. Da gab es zum Beispiel den Santiago, der häufiger mal ein leeres Zimmer nutzte, um mit einer der Servicekräfte seinen Spaß zu haben.

Die freie Zeit nutzen wir für weitere Erkundungen. Wir machten zB. eine Wanderung in den Bergen am Rande von Santiago, besuchten Museen oder gönnten uns mal ein oder andere Essen im Restaurant.

Wir hatten uns schließlich gut eingelebt und irgendwie an dieses Leben in der Dayly Soap gewöhnt bis mich die Nachricht vom tödlichen Unfall meines Opas erreichte. Ich entschied mich, nach Deutschland zu reisen, um die Trauer mit meiner Familie zu teilen. Es stand für mich noch nicht fest, ob ich wieder nach Chile kommen werde, oder in Deutschland bleiben möchte. Ich hatte zum Start meiner Reise den Rückflug von Santiago nach Deutschland gebucht, den ich nun nur noch umbuchen musste. Nachdem ich mich mehrmals fragte, warum ich das Ticket so gebucht hatte, erwies es sich leider doch als gute Entscheidung…

Brasilien & Bolivien III

Der Grenzübertritt zwischen der argentischen und der brasilanischen Seite von den Iguazu-Wasserfällen  war etwas seltsam. In Argentinien haben wir noch persönlich unseren Ausreisestempel abgeholt, aber in Brasilien hat jemand alle Pässe eingesammelt und kam später mit dem Einreisestempel darin wieder.

 

Nachdem ich den Park auch von der brasilianische Seite gesehen habe, bin ich zum Busbahnhof gefahren und toller Weise kam auch 15 Minuten später ein Bus nach Florianopolis. Es folgte eine Fahrt über Nacht. Ich war leider etwas erkältet und die Klimaanlage in dem Bus hat ihr Übriges dazu beigetragen. Mein Hals krabbelte die ganze Zeit und beim nächsten Stopp wollte ich mir einen Tee und Bonbons kaufen. Portugisisch ähnelt dem Spanischen, aber die Kommunikation ist doch recht mühselig. Ich versuchte der Dame also zu erklären, dass ich eine Packung Bonbons kaufen möchte. Nachdem sie mich eine Weile nicht verstanden hatte, rutschte mir das Wort „Hals“ heraus. Glücklicher Weise gibt es in Brasilien Bonbons der Marke „Halls“. Nun war die Fahrt in dem Bus nicht mehr ganz so schrecklich.

 

Am Morgen kam ich in Florianopolis an und da das Tourismusbüro geschlossen war, besorgte ich mir im Busbahnhof mein Frühstück und informierte mich über die Preise und Abfahrtszeiten nach Sao Paulo. Da das Touristenbüro immer noch nicht geöffnet war, frage ich bei der Information nach. Nun wurde ich von Person zu Person weitergereicht, bis ich bei einer Dame gelandet bin, die in einem Hostel arbeitet und Englisch spricht. (So ging es mir in Brasilien ständig. Wobei meist das Ende der Weiter-Reich-Schlange nur die geduldigste Person war. 😀 ) Die Frau hat mir natürlich empfohlen, in ihr Hostel zu gehen und sie hat mir erklärt, wie ich dort hinkomme. Nach einem Spaziergang durch die Stadt und weiterer Recherche in meinem Reiseführer, entschied ich mich tatsächlich zu diesem Hostel zu fahren.

Hier lernte ich einen Mexikaner und Brasilianer kennen. Die Zwei wollten nach dem Frühstück bei recht kühlen Temperaturen und Wind surfen gehen (ohne entsprechende Kleidung) und ich sollte ein paar Fotos machen. Später sind wir in einer Sanddüne herumspaziert und haben den Strand genossen. Ich hatte vorher gelesen, dass man gerade in dieser Zeit Wale sehen könnte, wenn man früh aufsteht. Ich ließ mir von der Rezeption erklären, wohin ich gehen müsste und der Brasilianer stand sogar zusammen mit mir auf. Er hat in jedem Boot, was man von weitem sehen konnte, einen Wal entdeckt… Ich war mir nicht sicher, ob er weiß, wie Wale aussehen… 😀

 

Gegen Mittag machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. Ein Flug nach Sao Paulo hat so ziemlich das Gleiche gekostet wie ein Bus. Dort kam ich dann recht spät an und unterhielt mich ein wenig mit meinen Zimmergenossen. Die meisten Meinungen zu Sau Paulo waren nicht sonderlich positiv, sodass ich nur einen Tag bleiben wollte. Sao Paulo zählt mit über 11 Millionen Einwohnern zu den bevölkerungsreichsten Städten der Welt… Nach dem Check-out bin ich mit meinen ganzen Sachen los, damit ich keine Zeit verliere, diese wieder abholen zu müssen. Ich traf bei der Free-walking-Tour zufällig den Mexikaner von Florianopolis wieder und wir verbrachten den restlichen Tag zusammen. Ich entschloss mich, noch eine Nacht länger zu bleiben und checkte in seinem Hostel ein. Am nächsten Morgen kauften wir Sachen zum Frühstücken ein. Ich hatte ein paar Tage vorher Toastbrot gekauft, was durch den Transport nun sehr krümelig geworden ist. Mit Hilfe des Sandwichmakers und des Käses, „bastelten“ wir uns nun unsere Brote zusammen. Es war sehr lustig und tatsächlich auch lecker. 😀   Nach dem Besuch von zwei Museen und einem Abendessen in einem Restaurant, hieß es wieder Abschied nehmen und ich fuhr zum Busterminal.

Ich wollte weiter zur Insel Ilhabela und eine Stunde später saß ich im Bus dort hin. Auf der Insel gab es nicht so viele Hostels und als ich mich während der Anreise im Bus informierte, stellte ich fest, dass man nur bis 22 Uhr einchecken kann. Ich würde deutlich später ankommen… Mit einem etwas mulmigen Gefühl kam ich bei der Insel an und glücklicher Weise hat man mich nach einer Weile an der Tür gesehen und ich konnte etwa 2 Uhr morgens schlafen.

 

In dem Hostel konnte man sich ein Fahrrad ausleihen und ich habe es sehr genossen, die Wege nah zum Meer zu erkunden. Den letzten Abend habe ich mit ein paar Leuten vom Hostel verbracht, die gegrillt haben. Danach wollten wir zu einer Open-Air-Party, wo aber keine war.

Wir waren zunächst in einem Restaurant, wo schöne Live-Musik zu hören war, danach ging es zu einer Party in der Nähe vom Strand. Einer der Anwesenden bat an, noch zu ihm nach Hause zu kommen und dort verweilten wir bis zu den frühen Morgenstunden. Zurück zum Hostel lief ich mit Renato, mit dem ich in der Nacht die meiste Zeit geredet habe. Ich habe im Prinzip gar nicht geschlafen… Dementsprechend war ich etwas träge und bis ich abreisebereit war, dauerte so seine Zeit.

Mein nächstes Ziel war ein kleines Örtchen namens Maringa. Hier wohnt Daniele, die ich in San Pedro de Atacama kennen gelernt hatte. Sie erklärte mir vorher, wo ich umsteigen muss. Dieses Mal war es keine gute Idee, einfach los zu fahren, ohne sich vorher zu informieren. Ich musste jeweils mehrere Stunden auf den nächsten Bus warten und ich kam schließlich am nächsten Morgen gegen 7 Uhr an. Das Warten war leider nicht unbedingt das Schlimmste… In der letzten Nacht auf der Insel kassierte ich einige Mückenstiche – unter anderem auch an meinen Füßen und die Schuhe reibten an ihnen, sodass jeder Schritt unangenehm war. Auch stoß ich mir beim Fahrradfahren meinen Ellenbogen sehr stark und das Rucksack auf- und absetzen war jedes Mal mit Schmerzen verbunden.

Es folgten 5 wunderbar entspannte Tage ohne Internet! Ich las ganz viel in ihrer Hängematte und ich konnte auch ihr Fahrrad nutzen, um die Gegend mit den vielen Wasserfällen zu erkunden. Daniele ist eine tolle Frau und Persönlichkeit und Ich habe es sehr genossen, sie wieder zu sehen.

Nach einer weiteren längeren Fahrt im Bus, kam ich schließlich am frühen Abend in Rio de Janeiro an und genoss die Zeit am Strand Copacabana. Seit ich wieder Internet hatte, schrieb ich mit Renato, den ich in der letzten Nacht auf der Ilhabela kennen gelernt hatte. Er wohnt in der Nähe von Sao Paulo und entschloss spontan, auch nach Rio zu fahren. Am nächsten Morgen war er dann auch schon da. Am ersten Tag wanderten wir den Zuckerhut hoch. Renato hat ein sehr gutes Auge, für die Tiere, die sich so im Dickicht verstecken. So entdeckte er auch ein knuffiges Äffchen, dem wir etwas von unserer Banane abgaben und seine Freunde tauchten dann auch gleich auf. Echt süüüüüüüüüüüß!!   Dann ging es zum Strand und wir haben Kokusnussmilch direkt aus der Kokusnuss getrunken und konnten toller Livemusik lauschen. Es hat viel Spaß gemacht, da er die Gäste bzw. deren Nationalität mit eingebunden hat.  Am nächsten Tag machten wir eine Freewalking-Tour mit, um das Zentrum näher kennen zu lernen und weitere Hintergründe über die Stadt zu erfahren. Meiner Meinung nach hat Rios Innenstadt nicht allzu viel zu bieten. Der besondere Charme der Stadt sind die Strände, Parkanlagen und die vielen Berge!

Nach dem wir im Hostel gekocht hatten, ging es Nachts dann in die Partystraße von Rio „Lapa“. Hier trafen wir die Kolumbianische Familie zufällig wieder, die auch am Morgen bei der Tour dabei war und wir unterhielten uns. Die ganzen Lokale verlangten Eintritt und keiner sprach uns an, sodass wir das Geld lieber sparen wollten. Wir entschieden uns, erst mal etwas zu trinken zu besorgen. Die günstigen Caipis, die wir erwarben, waren sehr stark und gar nicht lecker… Renato meinte, das sei der schlechteste Caipi, den er in seinem Leben getrunken hatte und er  wollte sein Getränk nicht beenden. Ich trank so lange, bis ich merkte, dass ich zu viel getrunken habe. 😀  Bevor wir ein Taxi zum Hostel zurück nahmen, tanzten wir noch zu Salsa-Klängen von einer Band, die sich an der Straßenecke verausgabte. Es war also doch noch eine gelungene Party-Nacht.

Am nächsten Tag durchquerten wir einen wunderschönen Park, um anschließend zum Christo hochzulaufen. Es war ein ziemlich steiler und dementsprechend auch anstrengender Aufstieg, aber es war toll und die Aussicht von oben lässt sich nach dieser Mühe auch viel mehr genießen. Runter wählten wir dann mit der Bahn den einfacheren und schnelleren Weg. Es ging zurück zum Hostel, um unser Abendessen zu kochen. Am nächsten Morgen sind wir etwas früher aufgestanden, weil ich noch ein paar Dinge erledigen wollte. Ich war sehr froh, dass mir Renato als Dolmetscher geholfen hat. Nun ging es nach diesen magischen Tagen wieder weiter; für Renato zurück nach Hause und meine Reise ging weiter Richtung Bolivien.

Ich nahm einen Bus und durchquerte Brasilien bis ich vor der Bolivianischen Grenze noch in Campo Grande eine kurze Tour im Pantanal antreten wollte. Dieser Ort ist für viele Touristen nur Ausgangspunkt für eine Tour und anscheinend verbringen die Wenigsten eine Nacht dort. Ich kam abends an, sodass ich eine Tour am nächsten Morgen starten wollte. Bei dem Hostel, das ich mir vorher herausgesucht hatte, machte niemand auf… Ich glaube, es war eine Art Abendschule direkt daneben, wo mir netter Weise ein Hostel in der Nähe herausgesucht wurde und ich dort auch sehr freundlich empfangen worden bin. Sie boten mir auch eine Tour für den nächsten Tag an und ich entschied mich ohne weitere Vergleiche zu buchen.

Am nächsten Tag ging es dann los und wir fuhren in das Sumpfgebiet. Die erste Aktion, war Piranhas angeln. Keiner von uns 4 hatte solch einen Fisch gefangen, aber bei mir hat etwas angebissen. Zum ersten Mal in meinem Leben, habe ich etwas gefangen. Ich war völlig überfordert und hatte großes Mitleid mit dem zappelnden Fisch an meiner Angel, der seltsame Geräusche machte. Zum Glück haben wir ihn wieder frei gelassen. J Nachts machten wir eine Bootstour, um Tiere zu entdecken. Das Beeindruckendste an dieser Tour, war für mich der „Mondaufgang“. Dadurch, dass die Landschaft hier kilometerweit flach ist, konnten wir einen rot-schimmernden Mond zunächst zwischen den Bäumen und später in voller Pracht aufsteigen sehen.

Am nächsten Tag mussten wir recht früh aufstehen. Es gab das tollste Frühstücksbuffet, das ich während meiner gesamten Reise genießen durfte, was mich den Schlafmangel sofort vergessen ließ.  Wir machten eine Safari-Tour und seit dem finde ich Vögel tatsächlich etwas interessanter. In „meiner“ Touristentruppe vom Vortag war ein Amerikaner, der ein Fernglas dabei hatte. Es war sehr spannend, die Tiere so genauer betrachten zu können. Mir fiel auf, dass der Vogel sehr fett wirkt und nach dieser Bemerkung waren alle Tiere bei mir und dem Ami übergewichtig und müssen definitiv mehr Sport machen. Auch wenn wir uns mit diesen Scherzen über die Tiere lustig gemacht haben, beeindruckte mich diese Tour mit ihrer Artenvielfalt. Teil dieser Tour mit dem Transporter war auch eine Wanderung. Es faszinierte mich, wie man diese Tiere in den Ästen, in den Büschen oder wo sie sich auch sonst versteckt hatten, so gut finden konnte. Wow!  Nun verstehe ich endlich, was die ganzen Leute, an diesen Touren so toll finden!!

Nach diesem wundervollen halben Tag brachten sie mich und weitere Touristen zu einem Sammelpunkt, von wo jeder in eine andere Himmelsrichtung ausschwärmte. Extrem überrascht hatte mich, dass ich dort ein bekanntes Gesicht wieder getroffen habe! Einer der Franzosen, mit dem ich durch Nordargentinien gereist bin, wartete ebenfalls auf seinen Bus. Mein Hostel hatte mir ein Ticket besorgt. Alle waren schon weg nur ich saß noch ganz geduldig da und wartete auf diesen Linienbus. Ich hatte Glück, dass jemand ausstieg. Der Fahrer rechnete offensichtlich nicht mit mir, bremste aber nachdem ich wild mit meinen Armen wedelte. Er fragte mich zähneknirschend, ob ich ein Ticket habe und nachdem er es gesehen hatte, war alles ok.

Nach einer Weile fragte mich der junge Herr vor mir im Bus, wie sich diese Region nennt und es folgten weitere Fragen. Ich erklärte dem Brasilianer,  dass ich mittlerweile  halbwegs Portugisisch verstehe, aber nur Spanisch rede. So wie viele Weitere seiner Landsleute, war diese Info nicht weiter relevant und er redete weiter mit mir. Er war geduldig genug, langsam und deutlich zu reden und meine Antwort erfolgte auf die gleiche Weise in Spanisch. Ich war recht stolz auf mich, dass ich tatsächlich eine Unterhaltung führen kann und es sich nicht all zu anstrengend angefühlt hat. Er und sein Kumpel erklärten mir, dass sie einen Freund besuchen, der in Santa Cruz in Bolivien studiert. Dieser hatte sie auch am Busbahnhof abgeholt und da dies auch mein Ziel war,  luden sie mich ein, sie zu begleiten. Es waren schon 4 Personen und ich war somit die 5… Meine Verwirrung verstanden sie nicht so recht. Schwupps saß ich neben dem Taxifahrer mit 3 Rucksäcken vor mir gestapelt. Hinten waren die 4 Herren übereinander geschachtelt und das Gepäck hat sonst wohl in den Kofferraum gepasst. Wir wurden von der Polizei angehalten, die laut mitzählte, wie viele Menschen aus dem Auto steigen. Nachdem die Herren erklärt haben, dass ich Deutsche sei und sie mir helfen, war ich viel interessanter und es gab kein Problem mehr. Wir überquerten also die Grenze und die Weiterfahrt mit den Brasilianern war recht amüsant. Am nächsten Morgen kamen wir in der Stadt an und ich konnte mich im Apartment von demjenigen, der dort studiert, duschen und frisch machen. Es folgte ein Frühstück in einem Brasilianischen Restaurant und wir verbrachten auch den restlichen Tag miteinander. Ich hatte mich vorher gefreut, wieder in ein spanisch-sprachiges Land zu reisen, indem ich mich vernünftig verständigen kann. Ich dachte mir mehrmals, wie lustig es ist, dass ich nun Zeit mit Brasilianern verbringe, die alle nicht wirklich spanisch sprechen.

 

Am Abend wollte ich einen Bus nach Sucre nehmen. Ganz nach chilenischer Art, habe ich mich am Terminal durchgefragt und Preise eingeholt. Leider gab es so gut wie keine Tickets mehr, sodass auch der Preis der verbliebenen recht hoch war – zumindest für Bolivianische Verhältnisse. Da schon viele von diesem Ort geschwärt haben, wollte ich trotz allem dort hin und kaufte schließlich ein Ticket. Die Fahrt, die folgte, ernenne zur Seltsamsten und Schlechtesten bisher. Uns wurde beim Ticketkauf erklärt, an welchem Bussteig wir warten sollten und etwa nach einer halben Stunde nach geplanter Abfahrtszeit, sah ich wie zig Leute aus dem Terminal herausliefen. Ich ließ mir dann erklären, dass jemand von der Busfirma sagte, dass der Bus von wo anders abfährt und wir folgen sollten. Es war eine sehr seltsame Atmosphäre, weil alle sehr verwirrt waren und vor allem auch aufgebracht. Viele von ihnen hatten erheblichen Balast zu schleppen und es war ziemlich weit, was wir laufen mussten. Der Bus war dann ganz schrecklich; dass die Fahrzeuge für „unsere“ Verhältnisse nicht sehr vertrauenswürdig aussehen, war ich schon gewohnt, aber dieser Bus hatte zusätzlich super kleine Sitze, die sich nicht weit kippen ließen, keine Toilette und schlecht isolierte Fenster – keine so tollen Voraussetzung für eine Nachtfahrt. Wir machten 3 Pausen, in denen man dann in der freien Natur seiner Notdurft nachkommen konnte. Es liefen 3 Folgen von Police Academy, wobei ich bei der Letzten versucht habe zu schlafen, was mir auf Grund der Lautstärke des Films nicht gelang. Das Zentrum von Sucre ist tatsächlich im Vergleich zu den anderen Städten in Bolivien, die ich bisher kenne, hübscher. Ich besuchte ein Museum und es überraschte mich, dass nicht die größere Stadt La Paz sondern Sucre die Hauptstadt des Landes ist. In der nächsten Nachtfahrt ging es dann nach La Paz.

Hier war es mein Ziel, meinen Freund Eric und seine Hobbyfußballmannschaft„Ente Badgdad“ aus Mainz bei ihrer Reise zu begleiten. Ein Teammitglied kommt aus Bolivien und mit Hilfe seiner Familie organisierten sie ein umfangreiches Programm für zwei Wochen. Ich schloss mich in der 2. an.

Nach der Ankunft ging ich zum Hotel, in dem die „Enten“ untergebracht waren. Es folgte eine dieser Duschen, die man nach zwei Nachtfahrten ohne Möglichkeit zu duschen einfach traumhaft findet. Nach einer kurzen Verschnaufpause organisierten wir mir mein Hostel – es wurde das Gleiche, wie bei meinem ersten Besuch in der Stadt. Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Verwandten des Bolivianischen Fußballmitgliedes. Ich weiß es immer zu schätzen, wenn ich einen ortsansässigen Führer habe und so lernte ich die Stadt noch mal etwas anders kennen.

Am nächsten Tag ging es mit gesammelter Mannschaft nach Coroico; ein süßes kleines Örtchen etwa 3 h von La Paz entfernt. Hier konnten wir tolle Aussichten auf Berglandschaften genießen. Auch die Anfahrt vorbei an einem traumhaften See in eisiger Höhe und durch die Berge war ein Highlight. Nach dem gemeinsamen Mittagessen organisierte ich mir mein Hostel für die kommende Nacht. In der Zwischenzeit wurde unser Transport zu einem Wasserfall organisiert. Die kleinen Shuttlebusse fahren sonst wohl die Schulkinder nach Hause – nach der Fahrt hatte ich ein schlechtes Gewissen und hoffte ganz stark, dass sie einen anderen Transport gefunden haben. Es war eine beachtliche Strecke und auch recht steil – anscheinend müssen die Kinder das häufiger mal laufen. Zwei von den drei Wasserfällen waren leider ausgetrocknet, sodass wir nur den Letzten besichtigt haben. Hier gab es auch einen kleinen Wanderweg, der einfach zu erklimmen war. Der Abend war zur freien Verfügung und so hatten Eric und ich Gelegenheit uns über Gott und die Welt zu unterhalten. Am darauffolgenden Tag stand Wellness auf dem Programm. Leider waren einige Bereiche wegen Umbauarbeiten nicht nutzbar. Aber Eric beim Baden im Fluss zu beobachten war ein interessanter Einstieg in den Tag. Er hatte sichtlich Freude, sich vom Flusslauf treiben zu lassen. Dann ging es weiter mit der Entdeckungstour der Anlage. Nach dem Mittagessen spielten wir noch ein wenig Tischtennis und schwammen  im Pool. Dann war die Zeit auch schon vorbei und wir entdeckten, dass die Sauna nun geöffnet ist, weshalb wir uns vor der Abfahrt noch ein paar Minuten gönnten. Im Bus angekommen, warteten alle schon auf uns… ähm… deutsche Pünktlichkeit und so…

An meinem letzten Abend mit dem Team kam ich in den Genuss, sie beim Spielen gegen Bolivianische Schüler zu beobachten – dies war Teil ihres Schulfestes. Vermutlich war es der Direktor oder Sportlehrer, der das Spiel wie ein Sportmoderator begleitete, was ich ziemlich amüsant fand und es auch für eine dynamische Stimmung sorgte. Wenn Eric mal nicht auf dem Spielfeld war, animierte er uns zu Schlachtrufen. Leider verloren die reifen Enten gegen die jungen Schüler. Als Überraschung folgte ein tolles Programm. Es wurden Reden gehalten und die Schüler hatten traditionelle Tänze einstudiert, die sie in ihren Trachten aufführten und uns auch mit integrierten. Ich war hin und weg! Nach dem abendlichen Spiel verbrachte ich noch etwas Zeit mit Eric in meinem Hostel, wo wir wieder Tischtennis spielten und uns noch eine Weile unterhielten. Am nächsten Morgen begleitete er mich noch in ein paar Läden, um mir eine neue Hose zu kaufen. Da fällt mir gerade ein; Danke für meine Lieferanten; Falk, Stefan und Eric! (Unter anderem wurde mir Tomatenmark gebracht – ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal vermissen werde!!)

Shopping in Bolivien war übrigens sehr interessant – es scheint nicht üblich zu sein, diese Stretch-Hosen anzuprobieren, bevor man sie kauft. Der Verkäufer war zunächst recht geduldig mit mir und ließ mich in einem Eckchen eine Hose nach der anderen anprobieren. Ich reise nicht mit viel Kleidung, sodass diese jeweils recht stark strapaziert wird. Es war an der Zeit eine Hose zu ersetzen. Nach dem Kauf ging es zum Busbahnhof, um mal wieder nach Iquique zu fahren. Ich erlebte noch einen riesigen Schreckmoment bis ich im richtigen Bus saß; Der andere Bus fuhr bereits mit mir los und zu meinem Glück wurden die Tickets direkt kontrolliert, sodass mir mein Fehler rechtzeitig mitgeteilt wurde. Panisch rannte ich zurück zum Bussteig, wo mein Bus abfahren sollte. Dieser kam gerade erst an – dann fiel mir ein, dass ich eine Tüte in dem anderen Bus vergessen habe, sodass ich wieder panisch zurück gerannt bin und diese glücklicherweise wieder herausholen konnte. Völlig schnaufend saß ich dann im richtigen Bus und es folgte mal wieder eine Fahrt über Nacht – zurück nach Chile.

Ende Juli kam ich morgens in Iquique an. Ich verbrachte eine Nacht bei Pedro, den ich das letzte Mal bereits über couchsurfing kennen gelernt hatte. Nun habe ich Iquique auch noch von einer anderen Seite gesehen; eine Protestation wegen den Studiengebühren, Spaziergang an der Promenade mit vielen Artisten &  Künstler-Ständen & eine Wanderung auf einen Sandberg, wo ich mich zum ersten Mal im Sandboarding probieren konnte. Nach diesen schönen zwei Tagen folgte leider eine weitere dumme Bus-Story. Ich hatte das Ticket nach Santiago direkt bei der Ankunft gekauft – leider wurde ich falsch verstanden, sodass ich ein Ticket für den gleichen Tag erwarb. Erst als ich dann am nächsten Tag im Bus saß und jemand auch ein Ticket für den gleichen Sitzplatz hatte, stellte ich den Fehler fest. Dieser Bus war leider komplett ausgebucht und die Firma hätte erst am nächsten Tag wieder freie Plätzte gehabt. Ich versuchte mein Glück noch bei anderen Gesellschaften und es ergab sich, dass eine Dame ihr Ticket bis nach La Serena loswerden wollte – was auf dem Weg lag. Da dieser Bus auch zeitnah abfuhr, entschied ich mich dafür, es ihr abzukaufen. Ich stellte später fest, dass der gleiche Bus auch nach Santiago fährt, sodass ich einen Aufpreis zahlte und dann im Bus sitzen bleiben konnte. Ich kam sogar zur gleichen Zeit an, wie dies mit dem anderen Bus der Fall gewesen wäre.

Ich konnte in Santiago für ein paar Nächte bei einem Freund übernachten. Ich hab die Tage dazu genutzt, meine Sachen von meinem alten zu Hause abzuholen und meine Freunde wieder zu sehen.

Nach dem wunderschönen Wochenende mit Renato in Rio de Janeiro haben wir täglich geschrieben. Wir wollten uns gern näher kennen lernen, weshalb ich wieder zurück nach Brasilien bin und einen Monat mit ihm und seiner Familie verbracht habe. Sie empfingen mich sehr herzlich und ich war direkt Teil der Familie. Die Kommunikation gestaltete sich auf Grund der Sprachbarrieren teilweise schwierig, aber alle waren sehr nett und geduldig.

Nach der Reiserei war ich wieder reizüberflutet und war sehr froh, nun zur Ruhe kommen zu können. Ich nutze die Zeit hauptsächlich, um die Infos für die Reiseleitung auszuarbeiten.

Nachdem wir uns nun besser kennen lernten, verliebten wir uns noch mehr. 🙂

Renato hatte vor einem Jahr bereits den Plan zu reisen, nun habe ich ihn motiviert, das auch tatsächlich zu tun. Wir bereiteten gemeinsam alles vor und er kam nach dem Monat zusammenmit mir nach Santiago.